Jean Tschumi

M. Delarageaz, J. Tschumi und R. Bobilier, Studienreise nach New York im Oktober 1952

© unbekannt, 1952. Courtesy ACM, EPFL ., Fonds Jean Tschumi

Jean Tschumi (1904 – 1962) ist eine heraus­ra­gende Persön­lich­keit in der Geschichte der West­schwei­zer Archi­tek­tur und Innen­a­r­chi­tek­tur.
In Genf gebo­ren und am Tech­ni­kum Biel sowie an der École des Beaux-Arts in Paris ausge­bil­det, ist Jean Tschumi vor allem für seinen Einfluss auf die euro­pä­i­sche Unter­neh­men­s­a­r­chi­tek­tur bekannt, der in der Nach­kriegs­zeit einen bedeu­ten­den Inno­va­ti­ons­schub auslöste. Sein gesam­tes Werk zeich­net sich durch ausge­präg­ten Rati­o­na­lis­mus und Funk­ti­o­na­lis­mus aus, die er für zahl­rei­che große Unter­neh­men – darun­ter Nestlé, Sandoz oder die heutige Vaudoise Assuran­ces – entwi­ckelte und weiter­führte. Dabei stehen Komfort und Funk­tion, Kunst und Design stets im Dienste der Corpo­rate Iden­tity und ihres räum­li­chen Umfelds.

Enga­ge­ment und Unter­richt

Von den Verei­nig­ten Staa­ten inspi­riert, bringt er neue Vorstel­lun­gen von Raum und Anpas­sungs­fä­hig­keit sowie tech­no­lo­gi­sche und mate­ri­a­l­be­zo­gene Fort­s­chritte nach Europa zurück. Der Komfort der Ange­stell­ten steht im Mittel­punkt der ameri­ka­ni­schen Unter­neh­men­s­a­r­chi­tek­tur jener Zeit: Je ange­neh­mer das Leben des Perso­nals ist, desto produk­ti­ver ist es. Dieses Konzept adap­tiert er unter ande­rem im Gebäude „Le Cèdre“, indem er die Farben je nach Nutzung des Bereichs – Arbeits­zone oder Durch­gangs­raum – unter­schied­lich einsetzt.

Als Direk­tor der neuen École d’ar­chi­tec­ture et d’ur­ba­nisme (EPUL) von 1943 bis 1961 und als Präsi­dent der Inter­na­ti­o­na­len Archi­tek­tenu­nion von 1955 bis 1958 entwi­ckelt er – paral­lel zu seiner prak­ti­schen Tätig­keit – sein Enga­ge­ment in der theo­re­ti­schen Refle­xion über Archi­tek­tur weiter. Sein Werk endet 1962, doch sein Einfluss bleibt bis heute spür­bar.