Grayson Perry
Grayson Perry ist ein bedeutender Chronist des heutigen Lebens, der sich durch einen scharfen Verstand und grosse Sensibilität auszeichnet. In seinem Werk behandelt er universelle menschliche Themen wie Identität, Geschlecht, Sozialstatus, Sexualität und Religion. Autobiografische Bezüge – zu seiner Kindheit, seiner Familie und seinem Transvestitismus – sind ebenso zu erkennen wie Fragen nach Dekor, Klassenwechsel und Geschmack oder dem Status des Künstlers im Vergleich zu jenem des Handwerkers. Perry nutzt traditionelle Genres wie Keramik, Guss, Bronze, Druckgrafik oder Tapisserie und interessiert sich für die Weise, wie jede historische Objektkategorie im Laufe der Zeit einen intellektuellen und emotionalen Ballast ansammelt.
Perrys Tapisserien nutzen eine Kunstform, die gewöhnlich mit höheren Gesellschaftsschichten in Verbindung gebracht wird – Darstellungen klassischer Mythen, historische und religiöse Szenen, epische Schlachten –, und spielen mit der Idee, mittels dieser alten allegorischen Kunst die banalen Dramen des modernen britischen Lebens herauszustellen. Politik, Konsumerismus, Geschichte und Kunstgeschichte sind durch das Sujet wie den Träger mit dem Werk verbunden. Für Perry ist jedoch das emotionale Engagement – Werke zu Themen zu schaffen, die uns am Herzen liegen – von entscheidender Bedeutung. Wie er selbst sagt: «Es ist die emotionale Ladung, die mich zu einem Sujet hinzieht.»