Wiederverwenden, Wiederverwerten, Neu erfinden: Die farbenfrohe Mode von Kévin Germanier
Artikel verfasst von Marie Jolliet
© guillaumepython
Das mudac zeigt derzeit eine Ausstellung über die Arbeit eines Modedesigners, der nicht weit von hier aufgewachsen ist: Kévin Germanier!
Modedesignerinnen und Modedesigner entwerfen Kleidung und Accessoires. Kevin Germanier wurde 1992 geboren und stammt aus dem Kanton Wallis. Er studierte an einer berühmten Schule in London, dem Central Saint Martins.
Die Kreationen von Kevin Germanier begeistern mit ihren leuchtenden Farben und futuristischen Formen. Eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen ist jedoch sein regionales und familiäres Erbe: So verwendet er zum Beispiel sehr viel Strick, den er jahrelang bei seiner Großmutter beobachten konnte. Er arbeitet daher mit einem Team von etwa dreißig Walliser Strickerinnen zusammen. Besonders die Großmutter des Designers betreut sie und fertigt von Hand gestrickte Elemente an, die in die Kollektionen integriert werden. Diese werden im Pariser Atelier des Designers entworfen. Weitere Materialien werden von Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern aus verschiedenen Ländern hergestellt. Auf diese Weise entsteht eine Verbindung zwischen den Generationen und zwischen den Regionen. Kevin Germanier liebt es, traditionelle Techniken mit modernen, farbenfrohen und originellen Formen zu verbinden, die aus dem Alltag herausragen.
Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt für ihn ist das „Upcycling“. Dieses englische Wort ist dem französischen „recycler“ ähnlich, denn es bedeutet, einen Gegenstand oder ein Material wiederzuverwenden und ihm einen neuen, wertvolleren Zweck zu geben. Genau das ist der Ursprung des Namens der Ausstellung Les Monstrueuses. Was eigentlich weggeworfen worden wäre und ein Abfall, gewissermaßen ein Monster, geworden wäre, verwandelt sich in ein prachtvolles Outfit. Menschen praktizieren diese Art des Recyclings schon seit langer Zeit. In der Mode hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten viel verändert: Kleidung wird immer günstiger und ist nicht mehr dafür gedacht, lange zu halten. Das führt zu immer mehr Konsum und Umweltverschmutzung. Kevin Germanier regt uns stattdessen dazu an, über alles nachzudenken, was wiederverwendet werden könnte, und er zeigt dabei viel Fantasie. Er versucht nicht, eine Praxis neu zu erfinden, die es schon immer gab – die Reparatur –, sondern sie aufzuwerten und wieder in den Vordergrund zu stellen.
Betrachte das Foto unten und versuche zu erraten, was zur Herstellung dieses Outfits verwendet wurde.
Diese erstaunlichen Formen wurden aus recycelten Plastikflaschen hergestellt. Das andere Outfit, das du siehst und aus einem Top und einem Rock besteht, ist aus Glas- und Kunststoffperlen in vielen verschiedenen Farben gefertigt, die von Hand bestickt wurden. Man kann sich den Arbeitsaufwand vorstellen: Mehrere hundert Stunden Stickarbeit waren nötig, um diese Effekte von Textur und Licht zu erzielen.
Die Ausstellung hält noch viele weitere Überraschungen für dich bereit: ein Kleid, das aus gebrauchten Bleistiften und Stiften der Marke Caran d’Ache hergestellt wurde, ein weiteres aus 120 recycelten Aluminiumdosen oder noch eines aus Partyvorhängen und Resten von Weihnachts-Schaufensterdekorationen! Außerdem kannst du in eine immersive Welt eintauchen, die vollständig mit Perlen bedeckt ist.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Carré Pointu, der kleinen, ernsthaft lustigen Zeitung, verfasst.