Was ist „Objektdesign“?
Artikel verfasst von Marie Jolliet
BIG-GAME, BOLD, 2009
© BIG-GAME
Das Wort Design wird oft verwendet, um ein Objekt als ästhetisch oder modern zu beschreiben: „Dieser Stuhl ist sehr stylisch.“ Doch Design ist nicht nur ein Kompliment: Es ist eine echte Disziplin, viel umfassender und wesentlich.
Das Wort „Design“ tauchte auf, als man vor über 200 Jahren begann, Gegenstände in Fabriken herzustellen. Damals bezeichnete es die äußere Form und die Farben eines Objekts. Ab diesem Zeitpunkt konnten Gegenstände und Möbel in tausenden Exemplaren hergestellt werden. Davor wurden sie von Handwerkern gefertigt, und jedes Stück war einzigartig.
„Design“ ist ein englisches Wort, das viele verschiedene Bedeutungen hat: Konzeption, Zeichnung, Modell, Form. Ursprünglich stammt es vom lateinischen Wort designare, das „mit einem Zeichen markieren, zeichnen, anzeigen oder entwerfen“ bedeutet. Genau das macht ein Designer: Diese Person entwirft ein Objekt oder ein System, das von möglichst vielen Menschen genutzt werden soll. Designer können also an einer riesigen Vielfalt von Dingen arbeiten! Sie gestalten alles, was wir im Alltag nutzen, um zu wohnen, zu arbeiten, zu essen oder uns zu beschäftigen. Design umfasst sowohl das Aussehen eines Objekts – seine Farbe, sein Material, seine Form – als auch seine Nutzung – Funktion und Größe. Design muss für alle zugänglich sein. Es beschränkt sich nicht nur auf Alltagsgegenstände, sondern kann auch die Organisation von Projekten oder die Systeme betreffen, die Zusammenarbeit in der Gesellschaft ermöglichen. Um diese Anforderungen zu erfüllen, beschäftigen sich Designer mit neuen Technologien. Ihr Ziel ist es, Probleme, auf die Menschen stoßen, zu erforschen und Lösungen zu finden, um das Leben einfacher und besser zu machen.
Massenproduktion oder Einzelstück
Aber wie kommt man von der Idee eines Designers zu einem Objekt, das man kaufen oder in einem Museum bewundern kann? Zunächst untersucht der Designer die Situation und überlegt sich Lösungen. Bei einem Paar Turnschuhe geht es zum Beispiel darum, eine bequeme Form zu entwickeln, die das Laufen ermöglicht, sowie ein Aussehen, das den Menschen gefällt. Der Designer erstellt Zeichnungen, Pläne und Prototypen, also Modelle, um das Objekt vor der Produktion auszuprobieren. Ab diesem Zeitpunkt arbeitet er oder sie mit anderen Personen zusammen, die bei der Gestaltung helfen: Unternehmen, Handwerker, Ingenieure usw. Außerdem entscheidet der Designer über die Materialien, damit der Fuß beim Laufen gut gedämpft wird, sowie über Farben und Stil des Schuhs. Designobjekte können sehr häufig hergestellt werden, wie die in Geschäften erhältlichen Turnschuhe, oder nur in wenigen Exemplaren, zum Beispiel als limitierte Edition oder sogar nur einmal. In diesem Fall spricht man von einem einzigartigen Objekt.
Ein Beispiel für ein berühmtes Designobjekt ist der „Plastic Chair“ oder Plastikstuhl. Er wurde vor fast 80 Jahren von dem amerikanischen Designer-Paar Ray und Charles Eames geschaffen. Ray und Charles wollten einen Stuhl entwerfen, der günstig ist, damit viele Menschen ihn zu Hause haben können. Sie wollten auch, dass der Stuhl modern und bequem ist. Sie hatten dann die Idee, ein Material zu verwenden, das für Möbel völlig neu war: Glasfaser. Dabei handelt es sich um Kunststoff, der durch das Zusammendrücken winziger Glasfasern verstärkt wird. Damals wurden die meisten Stühle noch aus Holz oder Metall gefertigt. Dank dieses neuen Materials ist ihr Stuhl robust und einfach herzustellen. Außerdem konnte er in allen möglichen Farben produziert werden und erhielt ein frisches, faszinierendes Aussehen. Heute wird er immer noch viel verkauft, allerdings inzwischen aus anderen Kunststoffmischungen.
Bahnhofsgestaltung
Auf Ihrer nächsten Zugreise sollten Sie sich die Zeit nehmen, ein ikonisches Beispiel für Schweizer Design zu beobachten: die SBB-Uhr, die in allen Bahnhöfen des Landes zu finden ist. Sie wurde so gestaltet, dass man die Zeit auf einen Blick ablesen kann, und zeichnet sich durch ein Detail aus, das ikonisch geworden ist: ihren roten Sekundenzeiger, inspiriert von den Stäben, die früher von Bahnhofsvorstehern verwendet wurden. Dieses Design, einfach und zugleich äußerst effektiv, war so erfolgreich, dass es sogar Apple für die Benutzeroberfläche seiner Telefone inspirierte.
Dieses Beispiel zeigt, wie allgegenwärtig Objektdesign ist und wie es unser tägliches Leben beeinflusst. Jedes Objekt, das wir benutzen – sei es Möbel, elektronische Geräte oder Accessoires – ist das Ergebnis ästhetischer und funktionaler Entscheidungen. Design prägt unsere Erfahrung, indem es Objekte praktischer, angenehmer zu benutzen oder einfach ansprechend macht. Die Form, Farbe oder Ergonomie unserer Umgebung zu beobachten und zu hinterfragen, hilft uns, die Wirkung von Designern im Alltag zu erkennen.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Carré Pointu, der kleinen ernsthaft witzigen Zeitung, verfasst.