Et nous alors ? Eine Geschichte von Tieren und Glas

Arti­kel verfasst von Marie Jolliet

Die Ausstellung Et nous alors ? präsentiert wunderbare Werke aus einem neuartigen Bereich: der Glaskunst.

Das Aben­teuer beginnt in der italie­ni­schen Stadt Vene­dig. Eine ihrer Inseln, Murano, ist welt­weit bekannt, da dort viele Glas­künst­le­rin­nen und Glas­künst­ler arbei­ten. Sie schaf­fen Objekte und Kunst­werke aus Glas. Der Initi­a­tor der Ausstel­lung ist ein Mann, der viel Zeit in Vene­dig verbringt: Pierre Rosen­berg. Er besitzt dort sogar einen Palast. Er ist Spezi­a­list für Kunst­ge­schichte und war Direk­tor eines sehr berühm­ten Muse­ums: des Louvre in Paris. Schon als Kind sammelte Pierre Rosen­berg Vogel­fe­dern, Brief­mar­ken und Glas­mur­meln. Hast du auch eine Samm­lung?

Seit­dem er erwach­sen ist, sammelt Herr Rosen­berg weiter. Er inter­es­siert sich beson­ders für Glas­kunst und hat über 30 Jahre hinweg eine ganz beson­dere Samm­lung aufge­baut: mehr als tausend Tiere aus Mura­no­glas. Man findet Tiger, Wale, Elefan­ten oder auch Heuschre­cken. Pierre Rosen­berg hat sie ausge­wählt, weil er sie schön oder inter­es­sant fand, ganz nach seinem persön­li­chen Geschmack. Anschlie­ßend brachte er diese Tiere in seinen Häusern in Paris und Vene­dig unter. Das alle­r­erste Tier seiner Samm­lung war ein klei­ner Fisch, den ihm die Besit­zer eines Restau­rants in Vene­dig schenk­ten. Das zweite war ein roter Dackel, den er als Geschenk für seine Schwie­ger­mut­ter gekauft hatte, den er aber schließ­lich für sich behielt. Da ihm diese Samm­lung sehr am Herzen liegt, möchte er sie auch dem Publi­kum zugäng­lich machen.

Mehr als 300 Tiere aus der Samm­lung werden im mudac ausge­stellt, in sehr vielen unter­schied­li­chen Stilen. Um Tiere mit Glas darzu­stel­len – einem Mate­rial, das schwer zu bear­bei­ten ist –, muss man nach Merk­ma­len suchen, die für alle erkenn­bar sind. Die Künst­le­rin oder der Künst­ler denkt daher über die bekann­tes­ten Eigen­schaf­ten des Tieres nach. Manch­mal wird es „sti­li­siert“, das heißt, es werden nur diese markan­tes­ten Merk­male beibe­hal­ten. So ähnelt das kleine Glas­tier nicht immer genau seinem Vorbild in der Natur, aber wir erken­nen es trotz­dem sofort. Das ist die Magie des Künst­ler­blicks. Es zeigt uns auch, wie wir Menschen die Tiere sehen.

Barovier & Toso, Hund (Foxterrier), 1947

© Enrico Fiorese. Courtesy LE STANZE DEL VETRO

Hier oben ist eines der Tiere aus der Samm­lung zu sehen. Der Künst­ler hat verschie­dene Tech­ni­ken verwen­det, um dem Glas den Effekt des Fells eines Foxter­ri­ers zu verlei­hen: Er schuf eine Form mit einer Art von Linien, in die das geschmol­zene Glas (also sehr stark erhitz­tes Glas) gegos­sen wurde. Wie beim Backen von Kuchen nahm das Glas die Form der Guss­form an. Der Künst­ler verwen­dete außer­dem Blatt­gold, um den Glanz des Fells zu imitie­ren, und spielte mit der Trans­pa­renz des Glases an der Rück­seite der Pfoten. All dies vermit­telt einen Eindruck von Bewe­gung. Die großen, ausdrucks­star­ken Augen verlei­hen ihm zudem einen beinahe leben­di­gen Blick, ganz im Einklang mit dem verspiel­ten Charak­ter dieser Hunde­rasse.

Bruno Amadi, Hirschkäfer, Ende der 1970er–Anfang der 1980er Jahre

© Enrico Fiorese. Courtesy LE STANZE DEL VETRO

Der Künst­ler, der den oben gezeig­ten Käfer geschaf­fen hat, heißt Bruno Amadi. Er ist einer der größ­ten Meis­ter der Lampen­glas­tech­nik in Vene­dig. Diese Tech­nik besteht darin, farbige Glass­täbe mithilfe der Hitze einer Lötlampe zu formen. So kann der Künst­ler sehr präzise arbei­ten. Dieser Glas­kä­fer ähnelt einem echten Käfer genau in Form, Größe und Farbe. Bruno Amadi hat ihm das glän­zende, schil­lernde Ausse­hen eines Insek­ten­pan­zers verlie­hen. Dieser Käfer lädt uns dazu ein, die Natur um uns herum genauer zu betrach­ten – ihre Schön­heit, aber auch ihre Zerbrech­lich­keit.

Wirst du diese beiden Glas­tiere in der Ausstel­lung wieder­fin­den? Komm ins mudac, um dich dieser Heraus­for­de­rung zu stel­len und viele weitere Tiere zu entde­cken, kleine wie große.

Dieser Arti­kel wurde in Zusam­me­n­a­r­beit mit Carré Pointu, der klei­nen ernst­haft witzi­gen Zeitung, verfasst.